Geek-Verhalten in Gesprächen

Der ursprüngliche Autor dieses Textes ist Philip Guo. Ich habe den Artikel, mit seiner Zustimmung, nur übersetzt. Sämtliche Rechte liegen bei ihm.
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Dieser Artikel soll einige Verhaltensmuster, die ich in den letzten Jahren, in denen ich viel mit Geeks, Nerds und anderen technisch versierten Personen zusammen gearbeitet habe, darstellen.

Der Einfachheit halber werde ich nur von “Geeks” sprechen. Ich möchte Personen, die dieses Verhalten an den Tag legen, nicht abwerten; dies sind nur meine Beobachtungen und meine persönlichen Theorien, worauf dieses Verhalten begründet ist.

Schwierigkeiten einer flüssigen Unterhaltung:
Es ist ein weit bekanntes Cliche, dass Geeks nicht in der Lage sind Gespräche mit Nicht-Geeks zu führen. Daher werde ich mit diesem Thema anfangen. Nicht-Geeks berichten oft von unangenehmen Pausen, wenn sie mit Geeks sprechen. Ich vermute, dass dieses Problem darin begründet ist, dass Geeks nicht in der Lage sind ein flüssiges, sich abwechselndes Gespräch zu führen.
Ein normales Gespräch entsteht, wenn beide Gesprächspartner abwechselnd zuhören und sprechen. Wenn eine sozial angepasste Person spricht, beobachtet sie ununterbrochen die Mimik und die Körpersprache des Gegenübers und wenn sie den Eindruck hat, der Gegenüber möchte etwas sagen macht sie eine Pause und gibt dem Gegenüber die Chance etwas zu sagen.
Wenn ein Nicht-Geek mit einem Geek spricht, kommt es oft zu unangenehmen Pausen, da der Geek der Körpersprache seines Gegenübers nicht genug Aufmerksamkeit entgegen bringt und nicht weiß, wie man eine natürliche Pause macht. Das passiert oft wenn der Geek in seinem “Element” ist und stolz einige technische Konzepte erklärt ohne zu merken, dass er seinen Gesprächspartner vielleicht langweilt. Noch schlimmer ist es, wenn der Nicht-Geek eine Pause macht und der Geek nicht weiß, wie er das Gespräch weiter führen kann.
(Außerdem telefonieren Geeks nicht so gerne wie Nicht-Geeks, da dort keine visuellen Hinweise zum Wechsel des Sprechers vorhanden ist. Sie benutzen lieber IM, Email oder SMS.)

Auf Richtigkeit und Vollständigkeit Bestehen:
Geeks fühlen sich unwohl, wenn sie hören, dass Personen etwas Falsches oder Unvollstädiges während einer Konversation von sich geben. Sie haben auch die Tendenz Andere zu unterbrechen, um sie zu korrigieren oder zu vervollständigen. Wenn ich sage falsch meine ich ungenau (“Toronto ist die Hauptstadt Kanadas”) und mit unvollständig meine ich eine unvollständige Aufzählung (“Die sieben Zwerge: Dopey, Sleepy, Happy, Doc, Grumpy und die anderen beiden habe ich vergessen”). Wenn die Ungenauigkeit nicht wichtig für die Geschichte ist, wird der Nicht-Geek es nicht weiter beachten und den Sprecher fortfahren lassen. Wie gesagt, Geeks habe die Tendenz den Sprecher zu unterbrechen um den Fehler zu korrigieren. Auf Kosten des Flusses des Gesprächs.
Nicht-Geeks mögen dieses Verhalten als ungehobelt oder arrogant betrachten, da sie denken, dass Geek nur zeigen möchte wie klug er ist und, dass er alles weiß. Wahrscheinlich ist aber das Gegenteil der Fall. Geeks haben das altruistische Bedürfniss ihren Zuhörern wissen zu vermitteln und wollen nicht ihre eigene Intelligenz zur Schau stellen. Sie möchten wirklich, dass der Gesprächspartner weiß, dass der Jupiter näher an der Sonne ist, als der Saturn; Auch wenn es den Sprecher nicht interessiert und er nur einen sachlichen Fehler beim erzählen der Geschichte gemacht hat.

Vorliebe für exakte nummerische Angabe:
Geeks haben eine Vorliebe für Genauigkeit und Richtigkeit, auch wenn es dadurch für ihre Zuhörer schwerer wird ihnen zu folgen. Wenn man einem Geek eine Frage stellt, die eine nummerische Antwort erwartet und der Geek die genau Zahl weiß, wird er diese wortwörtlich wiederholen. Er wird die Antwort nicht runden, um es dem Zuhörer zu vereinfachen es sich zu merken (z.B.: “Die Kamera hat 4,2 Megapixel” statt “Die Kamera hat c.a. 4 Megapixel”).
Auch wenn dieses Verhalten eher harmlos ist, ist es doch eine Unannehmlichkeit für ihre Zuhörer: Der Zuhörer (statt des Sprechers) muss die Antwort runden. Wenn mir Jemand erzählt, dass der DVD-Player, den ich haben möchte, bei einem Händler 297,89€ kostet, ich aber einen Rabatt von 49,95€ bekommen kann, brauche ich einen Moment um auf den gerundeten Preis von 250€ zu kommen.

Selbstverständliche Benutzung von technischen Begriffen:
Wenn Geeks versuchen Nicht-Geeks eine technische Gegebenheit zu erklären, machen sie starken Gebrauch von technischen Begriffen, weil sie so ihre Gedanken kurz und präzise dar bringen können. Unglücklicherweise verstehen die meisten Nicht-Geeks dieses Jargon nicht. Das führt zu Unsicherheit und Frustration.
Nicht-Geeks nehmen Geeks schnell als überheblich und elitär war, wenn diese mit ihnen ihrem kryptischen “Geek-Speak” sprechen. Meiner Meinung nach haben Geeks ein undschuldigere Intention: Geeks neigen dazu, zu vergessen wie es ist sich nicht mit technischen Konzepten und im besonderen mit ihrem Spezialgebiet (Computer oder technische Gadgets) aus zu kennen. Wenn Geeks mit Nicht-Geeks sprechen werfen sie oft mit einer Fülle von Fachbegriffen um sich ohne vorher taktvoll zu versichern, dass sie auch verstanden werden. Aus Sicht eines Geeks sind technisches Jargon (Router, Dongle, etc.) und auch Akronyme (DVI, TCP/IP, SQL, etc.) genauso normal, wie jedes andere Wort. “Wie kann jemand NICHT wissen, was diese Worte bedeuten?”

Konzentration auf das Wie statt auf das Was und Warum:
Geeks lieben es zu verstehen wie Dinge “unter der Haube” funktionieren und erklären anderen Personen gerne technische Details. Die meisten Nicht-Geeks haben gerne ein Bild vom Ganzen und weshalb es Innovativ oder Wichtig ist. Geeks wollen lieber wissen wie es gebaut wurde.
Wenn ein Geek aufgefordert wird über technische Dinge zu sprechen, wird er wahrscheinlich einen enthusiastischen und detaillierten Monolog halten. Er wird fast ausschließlich Fachbegriffe verwenden und keine Pausen ein legen um zu schauen, ob er vom Publikum verstanden wird. Diese Gewichtung auf Implementierungsdetails statt einer umfassenden Erklärung ist typisch wenn ein Geek ein Projekt, wie etwa eine Software oder eine mechanische Vorrichtung, beschreibt, dass er selbst durch geführt hat.

Bevorzugung von Komplexität und Details vor Einfachheit zur Beschreibung :
Wenn ein Geek sein aktuelles Lieblingsprojekt beschreibt, versucht er oft seine Beschreibung möglichst komplex und detailliert zu machen, um seine Perfektion und seine technischen Fähigkeit zu zeigen. Geeks sind stolz darauf, dass sie in der Lage sind Komplexität zu verstehen und es sich zu Nutze zu machen und daraus “coole” Dinge zu bauen. Daher ist es nur verständlich, dass sie möchten, dass ihre Zuhörer verstehen wie viel Genialität es gebraucht hat um es zu kreieren.
Wenn Geeks über Projekt-Details sprechen, können sie diese Details würdigen und bewundern (“Whoa, das ist ein echt cooler Hack. Den geparsten String in Phyton zu evaluieren ist echt genial.”). Nicht-Geeks werden eher die einfache Zusammenfassung hören, als die genialen Details.

Schnelles herunter leiern von Fakten:
Fragt man einen Geek eine Frage, die er mit einer Aufzählung von Fakten beantworten kann, wird er sehr wahrscheinlich eine Liste mit diesen Fakten herunter rattern. Wenn man ihn zum Beispiel fragt: “Welche Programmiersprachen kennst du?”, wird ein Programmierer antworten: “C, C++, Java, Basic, QBasic, Microsoft Visual Basic, Perl, Python, Ruby, x86 assembly, PowerPC assembly, Scheme, Common Lisp” und seine Liste möglichst schnell darbieten um die schiere Menge zu  betonen. (Eine etwas elegantere Antwort wäre gewesen: “Ich habe sowohl mit Low-Level Sprachen wie C, als auch mit High-Level Sprachen wie Phyton gearbeitet. Hast du noch mehr Fragen?”)
Ich vermute, dass dieses Verhalten in der Obsession des Geeks für Richtigkeit/Vollständigkeit und seiner Betonung von Komplexität, begründet ist. Die komplette Einkaufsliste aufzuzählen ist zwar technisch die richtigste Antwort, aber nicht die am leichtesten nach nachvollziehbare.

Kein Interesse am Aussehen:
Geeks empfinden Aussehen und Ästhetik als weniger wichtig, als die technische Substanz eines Objektes oder einer Umgebung. Daher ist es nicht überraschend, dass Webseiten, Broschüren und andere Produkte, die von Geeks designed werden, in den meisten Fällen äußerlich ziemlich hässlich sind. Jedoch ist der innere Aufbau oft mehr als respektabel. Natürlich wissen die besten technischen Designer, dass Erscheinungsbild und Benutzerschnittstelle wichtige Teile eines Produktes sind.
In Gesprächen über das Erscheinungsbild von Dingen (auch bei nicht technischen Angelegenheiten, wie Familientreffen und Hochzeiten), pflegen Geeks das Interesse zu verlieren und die Situation überkritisch zu betrachten. Sie werden zum Beispiel in Frage stellen ob, das ganze Getue und der Tand wirklich nötig sind und es nicht viel mehr um den “Kern den Sache” geht, Ob man die sogenannten Frivolitäten nicht besser weg lässt.

Verehrung ihrer favorisierten Technologie:
Geeks geben gerne technische Empfehlungen, auch wenn sie gar nicht gefragt wurden (z.B.: “Du solltest Firefox statt Internet Explorer benutzen”). Sie realisieren oft nicht, dass die meisten Nicht-Geeks kein Intresse haben, Gewohnheiten auf zu geben und neue Dinge zu probieren, insbesondere wenn es um Computer oder andere technische Dinge geht. Nicht-Geeks benutzen Technologie meistens als Werkzeug, während Geeks es als Teil ihrer Lebenseinstellung betrachten.
Die Intention eines Geeks ist fast immer selbstlos und ernsthaft: Sie möchten, dass ihre Freunde die beste Technologie benutzen und sich nicht mit dem Mittelmäßigem abgeben müssen. Nicht-Geeks fühlen sich schnell belästigt und nicht ernst genommen, wenn ihre Geek-Freunde Technologien verehren und forcieren von denen sie noch nie gehört haben und im selben Atemzug erzählen, dass das was sie momentan benutzen ineffektiv und Unzureichend ist.

Erwähnung ihrer Freundin oder Frau zu jeder Gelegenheit:

The most brutal way I've ever seen someone handle this was 'Oh, you have a girlfriend. Are you going to get married?'  'I, uh, don't know--' 'Well, do you love her?' '...' 'Anyway, what were you saying about the movie?'

Wie dieser xkcd-Comic poetisch zeigt, JA WIR HABEN VERSTANDEN, du hast eine Freundin.
Geeks haben die Tendenz zu jeder Gelegenheit zu erwähnen, dass sie eine Freundin oder Frau haben. Sie werden versuchen einen Verweis auf ihre Freundin oder Frau in jeder Unterhaltung unter zu bringen, auch wenn es nicht relevant ist (z.B.: “Du bist also ein Photograph? … meine Freundin hat in der Schule mal einen Photographie-Kurs besucht”).
Vielleicht kommt dieses Verhalten daher, dass Geeks es als Jugendliche schwerer hatten Dates zu bekommen, so dass es besonders ist eine Freundin oder Frau zu haben. (Ich konnte dieses Verhalten bisher nur bei männlichen Geeks beobachten; Ich weiß nicht ob weibliche Geeks die Gelegenheit nutzen, um über ihren Freund/Mann zu lästern.)

One Response to “Geek-Verhalten in Gesprächen”

  1. bed sagt:

    Whow!
    Da stimmt jeder einzelne Satz!
    Ja genau, der Original Autor hat wahrscheinlich mich beobachtet ;-)
    Danke für die Übersetzung

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